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GrassLeaks:
Der Dichter haut drauf und steckt zurück

Ist Grass im neuen Buch "Eintagsfliegen" einseitig?

Grass einseitigJetzt kommen die "Eintagsfliegen" von Günter Grass in den Handel. In seinem neuesten Gedichtband ist das provokante Gedicht "Was gesagt werden muss" entschärft. Nicht mehr ganz Israel wird als Atommacht dargestellt, sondern "nur noch" die gegenwärtige Regierung der einzigen freien Demokratie im Nahen Osten.

Dafür lobt Grass den israelischen Nukleartechniker Vanunu, der 1986 als eine Art früher Whistleblower (die man zu jener Zeit Verräter nannte) das israelische Atomprogramm publik gemacht hat. Das wird Grass' Verhältnis zur israelischen Regierung nicht unbedingt entschärfen. Der Innenminister Eli Jischai hatte Grass bereits im Frühjahr eine  Einreise verboten.

In der Manier des WikiLeaks-Gründers Julian Assange wirbt Grass aus Friedensgründen für Whistleblowing, das Veröffentichen von Verteidigungsgeheimnissen. Trotzdem sind Assange wie Grass über Kritik an ihnen selbst erzürnt, sind sie jenseits demokratischer Kontrolle, stellen sie jedenfalls auf Staatenebene ihren persönlichen Friedenswillen über alles. Dieses vielfach vermutet Heldenhafte von Assange wird gerade in einem Theaterstück auf Kampnagel gespielt.

Assange selbst fühlt sich zu Unrecht von zwei Schwedinnen wegen Vergewaltigung denunziert, vermutet dahinter nicht nur persönliches Leid sondern staatliche Aggression Amerikas und hat sich in die Ecuadorische Botschaft in London geflüchtet, wo er mit viel Zeit zum Bücherlesen festgesetzt ist, unser Lesetipp: Der neue Grass.

Julian Assange  Günter Grass "Eintagsfliegen" Leineneinband EUR 28

  "Assassinate Assange" Angela Richter im Kampnagel




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Foto Bühenbild Assange: Kampnagel