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Drei starke Worte und viel Murks

"Mit letzter Tinte" - ein echter Grass

Meldungen mit Behlendorf überschlagen sich

Oje GrassErst eine fast als verirrt eingestufte Email, dann eine zweite Mail und dann noch mehr: Viele Zuschriften aus der ganzen Republik erreichten die Emailadresse redaktion@ behlendorf.net , teilweise zur Weiterleitung an unseren Nachbarn Grass, was auch prompt erledigt wurde. Über die Ostertage gab es keinen Fernsehsender und keine Zeitung. die nicht über Günter Grass berichtet hat.

So können wir uns hier kurz fassen. Über die Einschätzung vom 4. April (siehe unten) hinaus, bleibt eigentlich nur, noch etwas über den Menschen Grass beizusteuern. Sein ihm sehr wohl gewogener dänischer Übersetzer Per Øhrgaard sagte einst über Grass und seinen Oskar, dass er sich in der Rolle eines "unzuverlässigen Erzählers" einen Schutz verschafft, um etwas für sich zu behalten und um etwas zu erzählen -  das öffnet den Weg in Richtung eigene SS-Mitgliedschaft verschweigen und auf andere lauthals zu schimpfen oder lange über Israels Politik zu schweigen und jetzt zu poltern. Diese Unzuverlässigkeit räumt Grass in seiner Zwiebel ein, er sei kein allzu genauer Chronist, es sei "halt eine mal so mal so erzählte Geschichte, unbekümmert um Herkunft und andere Fragwürdigkeiten."

Günter Grass ist in erster Linie emotional und womöglich erst in zweiter Linie ein Intellektueller. "Der Sprachverführer" Thomas Steinfeld ist deutlich kritischer mit Grass: Wer redet in seinen Texten, warum wird so häufig erlitten und nicht getan und warum wird eine Zeitbestimmung oft an seiner eigenen Person festgemacht: Grass im Mittelpunkt der Welt, das nehme seinen ersten Worten jede Leichtigkeit.

So ist jetzt die Wendung "mit letzter Tinte" große Klasse und bei dem Rest dessen, was da so landauf landab geschrieben steht, ist viel Murks. Grass setzt sich über differenzierte journalistische Arbeit gerade in den letzten Wochen und über kluge Politik unserer Bundesregierungen hinweg, überstürmt vernünftige Stimmen in Israel und gibt viel Wind auf die Mühlen zwielichter Typen. Dabei ist das, was Grass will, Frieden, kaum zu bestreiten. 

"Mit letzter Tinte" klingt nach großer Sprachgewalt und ist wörtlich genommen falsch. Es ist Dichtung, nicht Wahrheit. Bei Lesungen im Brinkhuus Behlendorf ist Günter Grass  als Gemütsmensch zu erleben: Aufmerksamkeit, eine gute Suppe und ein Glas Wein, das reicht schon (lies "Milde Worte des Dichterfürsten"). Und es ist in Behlendorf beileibe nicht so, dass wir jetzt leiden, weil eine Reporterschar alle Parkplätze blockiert. Alles ruhig. Wir können gelassen bleiben.

Foto: © Andreas Henschel


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