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Behlendorf 4. April 2012

Paukenschlag des Blechtrommlers: "Mit letzter Tinte" Israel und Iran gleichgesetzt

Günter Grass zieht öffentliche Aufmerksamkeit auf sich 

Günter Graß Foto: HenschelGerade hatte sich Günter Grass noch bei den Zuhörern einer Lesung in Hessen krank gemeldet, Bronchitis heißt es. Heute nun meldet er sich mit einem Gedicht in der Süddeutschen zu Wort, mit letzter Tinte, wie er schreibt, was aber hoffentlich nicht stimmt. In dem Gedicht kritisiert Grass die Iranpolitik Israels und warnt vor deutschen U-Boot-Lieferungen sowie vor Atomeinsätzen.

"Warum sage ich jetzt erst, / gealtert und mit letzter Tinte: / Die Atommacht Israel gefährdet / den ohnehin brüchigen Weltfrieden?"

Vieles von der Aufregung um diese Veröffentlichung wirkt künstlich. Grass kleidet seine Kritik in die Form eines Gedichtes. Es beginnt mit einem bei Grass fast üblichen moralinsauren Selbstbezichtigungsritual, dass literarische "Ich", also er, Grass, hätte viel zu lange geschwiegen, nun müsse es raus... - das kann man mögen oder nicht und kann man aus dem Blickwinkel seiner langen Verschwiegenheit (bis 2006) über seine SS-Mitgliedschaft sehen. Doch der zum Ausdruck kommende Friedenswunsch ist kaum zu kritisieren, ebensowenig wie eine wirksame internationale Kontrolle aller Atomanlagen, also auch israelitischer. Allerdings setzt Grass den demokratischen Rechtsstaat Israel, der selbst peinlichste Vorgänge seiner Staatspräsidenten anklagt, mit der Diktatur des Iran gleich und verschafft dem Diktator Ahmadinejad eine Gleichbehandlung, die diesem nicht zukommt. Die Kommentare reichen deshalb "von Pein bis peinlich".

Angela Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert äußert sich zurückhaltend: "Es gilt in Deutschland die Freiheit der Kunst und es gilt glücklicherweise auch die Freiheit der Bundesregierung, sich nicht zu jeder künstlerischen Hervorbringung äußern zu müssen."  Dann verzeichnet das CvD-Protokoll der heutigen allgemeinen Regierungspressekonferenz noch eine Zusatzfrage, um den außenpolitischen Nährwert des Grass-Gedichtes abzufragen. "Herr Seibert, gestatten Sie mir noch einen Versuch: Die Kanzlerin hat sich 2006, als Herr Grass seine Biografie veröffentlicht hat, geäußert und gesagt, sie und Herr Grass hätten sehr unterschiedliche Einschätzungen hinsichtlich der deutschen Geschichte. Ist Ihnen zufällig bekannt, ob die Kanzlerin diese Meinung noch immer hat? StS Seibert: Ich kann Ihnen nichts Neues zum Verhältnis der Bundeskanzlerin zu Person und Werk von Günter Grass mitteilen."

Foto: © Andreas Henschel