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Pilze statt Grass-Gezwitscher

Sascha Lobo fragt warum Grass noch kein Große-Koalitions-Gedicht geschrieben hat. Eine mögliche Antwort. 

PilzeSie sind geheim: Die Stellen, die Behlendorfs Pilzsammler jetzt Ende September aufsuchen. Auch der prominenteste Pilzsammler hat so seine geheimen Fundstellen. Die kann man ahnen, wenn man in seinem Buch "Mein Jahrhundert" stöbert. Für das Wahljahr 1998 und den Wahlsieg von Gerhard Schröder beschreibt Günter Grass seinen Weg hinterm Haus in die Pilze. Und wer sich bewusst macht, wo es zwischen Behlendorfer See und Elbe-Lübeck-Kanal durch den Wald geht (Elbe-Trave-Kanal schimpft der Dichter), wüsste genau, wo man Steinpilze, Boviste und andere finden kann.

Neben vielen heimischen Äpfeln  in den Obstschalen stehen neuerdings auch Pfirsiche auf den Tischen. Im Wahllokal zur diesjährigen Bundestagswahl stand erstmals ein Korb mit heimischen Pfirsichen auf dem Tisch, an der Hauswand mit Sonnenblick gezogen. Es gibt viele Früchte, die  Zunge und Gaumen erfreuen. Aber sie braucht immer ihre Zeit, wie sie gerade auch die Parteien in Berlin brauchen, um sich nach dem überraschenden Wahlergebnis in ihre neuen Rollen zu finden.

Der Internetexperte Sascha Lobo, vielfältiger Talkshow-Gast mit Kunstfruchtfarbe im Haar, hat nun im Kurznachrichtendienst Twitter SPD und Grass verspottet. Er fragt, wo das erste Gedicht von Grass zur großen Koalition bleibt. Na, wer weiß, was er schon alles von Grass gelesen hat. Und irgendwie muss die Wartezeit bis zur Regierungsbildung ja gefüllt werden. Wer erinnert sich denn schon noch, dass ein SPD-Vorsitzender während der Regierungsbildung zur letzten großen Koalition 2005 sein Amt aufgab? Vielleicht die geduldigen Pilzgenießer aus Behlendorf. Hier muss nicht jede Wartezeit mit Twittern gefüttert werden.

© Fotos Andreas Henschel sowie Twitter (Lobo) und Kosinsky/Wikipedia (Müntefering)


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Sascha Lobo

Sascha Lobo twittert über Grass

Gerhard Schröder

Zu seinem Wahltag 1998 ging Grass in die Pilze: Gerhard Schröder (Vgl: Mein Jahrhundert/1998)

Franz Müntefering

Schmiss vor der Großen Koalition 2005 den Parteivorsitz: Franz Müntefering. In der großen Koalition war er dann Vizekanzler.